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5 Wochen Peru

Anreise & erste Tage

on Mittwoch, 24 Oktober 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Erste Tage

Sa. 20.10.2012 Hinfahrt

Punkt 12.00 Uhr mittags trafen wir – 12 Schülerinnen des Jo-Go-He-Gy , 2 Lehrer und 12 weitere Erwachsene – uns , um die mit dem Bus nach Zwickau in das große Peru-Abenteuer zu starten.

Vor uns lag eine anstrengende und lange Anreise:

Von Zwickau- Erfurt 2h, von Erfurt – Frankfurt 2h so dass wir dort gegen 19.30 Uhr ankamen und auch gleich eincheckten- glücklicherweise, wie sich herausstellte. Ca. die Hälfte der Gruppe erhielt keine Tickets mehr, sondern wurde auf Standby gesetzt- auch einige der Mädchen.

Das sorgte natürlich für ein wenig Aufregung und Herzklopfen bei uns Betreuern, kurz vor dem Abflug gegen 23.00 Uhr bekamen alle ihre Tickets – uff.

Der Flug mit TAM bis Sao Paulo dauerte 12 endlose Stunden, so eng wie hier habe ich noch nie auf einem Langstreckenflug gesessen- maximal 30cm Beinfreiheit, selbst für mich kaum auszuhalten.

Dann nach kurzem Aufenthalt weiter nach Lima… noch mal 4 Stunden. Sonntag, den 21.10.2012 gegen 17.00 Uhr deutscher Zeit.  

Die Schülerinnen wurden für eine Nacht von ihren Gastfamilien abgeholt (… und waren entsprechend aufgeregt) und wir konnten c. 13.00 Uhr einchecken und endlich den klebrigen Reisedreck loswerden.

Nachmittags gab es einen ersten kleinen Gang in die nähere Umgebung des Hotels im besseren Stadtteil Miraflores. Viele kleine Läden und Parks voller Leben in recht gepflegter Umgebung.

Dass es auch anderes gibt konnte man schon auf der Fahrt vom Flughafen sehen, die Wohngegend wechselte fließend von Arm zu Besserverdienend.

Das Abendessen nahmen wir kurzerhand im Hotel, für 35 Soles (12 €)–sehr lecker und danach gab es im 3,5 stündige Doppeldeckerbus eine Stadtrundfahrt mit tollen Highlights wie den Aqua Park und das koloniale Stadtzentrum. Allerding war der Genuss sehr beschränkt, da wir vor Müdigkeit kaum aufnahmefähig waren und uns ständig die Augen zufielen.

Nach der Rückkehr ins Hotel machten wir nur noch Katzenwäsche und fielen todmüde ins Bett.

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Montag 22.10.2012

Nach kurzem aber erholsamem Schlaf standen wir gegen 5.00 Uhr auf, Gepäck umsortieren, Mails lesen und beantworten, frühstücken und dann um 7.00 Uhr kam unser Bus.

Wir fuhren pünktlich los, aber der Aufschrei ein einer Mitreisenden führte zur Rückfahrt zum Hotel, Zum Glück war alles noch da.

Wir holten die Schüler an Humboldt I ab… einem Teil des Colegios, mit dem wir Schüleraustausch pflegen. Alle waren pünktlich da, interessant war die zweimalige Durchquerung des 3 spurigen Ovalis (Kreisverkehrs) die uns fast eine Stunde kostete.

Jetzt fahren wir an der Küste entlang auf der Panamericana Richtung Süden nach Nasca ca. 500km nach Nasca.

Nasca

on Mittwoch, 24 Oktober 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Nasca

Nach mehrstündiger Fahrt durch staubige Wüsten erreichten wir gegen Mittag wir Ika. Dort veränderte die Wüste ihr Gesicht – hohe gelbe Sanddünen flankieren die Stadt. Etwas außerhalb befindet sich eine Oase. Während bei der Abfahrt in Lima ca. 16° herrschten und der immer vorhandene Küstennebel den Himmel verdeckte knallte hier die Sonne erbarmungslos vom Himmel, die Temperatur lag bei ca. 30 °C und der Sand war so heiß, dass ich mir in meinen Sandalen die Füße verbrannte.

Die Oase sieht genauso aus, wie man sich eine solche vorstellt, ein kleiner See mit vielen Fischen und Wasservögeln, bunt blühende Hecken in denen sogar ein Kolibri zu sehen war inmitten einer kleinen Siedlung.

 

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Unserer Schülerinnen nutzten dort die Gelegenheit zu einer Sandbuggy Fahrt, die Dünen hinab und die anderen zu einem Rundgang durch die Oase. Nach dem sehr guten peruanischen Mittagessen ging die Fahrt weiter Richtung Nasca.

Kurz vor dem Sonnenuntergang erreichten wir das kleine Museum der Sächsin Maria Reiche, die die Linien entdeckte und erforschte.

Von einem Turm hatten wir einen Blick auf einen winzigen Ausschnitt der Linien (2 Bilder). Ich war erstaunt, wie schmal die Linien sind, vielleicht so 30cm, die in den Sand gescharrt sind.

 

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Nach kurzer Fahrt durch Nasca, das recht ärmlich wirkte und einem Einkaufsstopp für Wasser erreichten wir etwas außerhalb eine zum Hotel umgebaute ehemalige Hazienda. Das Hotel war eine wunderschöne Anlage und besondere Begeisterung löste bei allen ein süßes kleines Vicunja aus, das einem Kofferträger wie ein Hund folgte.

 

 

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Der Service in diesem Hotel allerdings ließ zu wünschen übrig, was sich beim Abendbrot zeigte, wo versucht wurde die Schülerinnen auszugrenzen und an die Poolbar abzuschieben. Holger und ich aßen dann gemeinsam mit den Mädchen lang erwartete Sandwich.

Das heutige Frühstück, war die berühmte ‚Schlacht am kalten Buffet'. Zur Auswahl standen: Brötchen, eine Sorte Wurst und Käse, einmal auch Rührei, Butter und Müsli.

Wenn man Semmeln hatte, gab es keinen Belag, hatte man Belag, fehlte der Teller, die die schnell waren und eine Tasse ergattert hatten, bekamen nur noch Milch, später gab es dann Kaffee (den hatte ein Gast aus der Küche geholt) und die Milch dazu füllte einem die Nachbarin aus ihrer Tasse ab... und so war da Ganze eine Jagd nach den was gerade da war, sobald irgendetwas hereingebracht wurde, rannte man zum Buffet und nahm mit, was es gab, vielleicht konnte es einer gebrauchen und so kam man dann auch irgendwann zu einer Semmel mit irgendeinem Belag und einem Getränk.

Wir (Lorita, Gabi, Gudrun und ich) nahmen es mit Spaß und haben selten so viel beim Frühstück gelacht.

Jetzt sind wir auf der Fahrt nach Arequipa, die heute 800 km lang sein wird und außer einem Mittagessen keine weiteren Höhepunkte aufweisen wird.

Im Moment ist auch die Landschaft völlig unspektakulär-kahle, graue endlose Wüste mit leichtem Nebel überwabert. Das Bus-Thermometer gibt für draußen 21° an.

Später änderte sich die Landschaft, wir fuhren an der Küste entlang, auf der einen Seite Dünen oder Steinwüstenberge, auf der anderen der Pacific.

Bei der Weiterfahrt begeisterten uns grandiose felsige Küstengebirge mit breiten Flußtälern mit Reisfeldern, die wir in zahllosen Serpentinen auf und ab fuhren.

 

Von Arequipa nach Cusco

on Sonntag, 28 Oktober 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Hoch hinauf,,,

Mittwoch, 24.10.2012

Gestern gegen 19.00 Uhr kamen wir in Arequipa an. Arequipa ist eine große Stadt mit 100.000 Einwohnern unmittelbar am Fuß der Anden auf mehr als 2000m gelegen.

Nachdem uns der Bus in einer der engen Gassen ausgesetzt hatte, rollten wir unsere Koffer in ein Hostel drei Ecken weiter. Dabei war zu merken, dass sich so langsam so etwas wie eine Gemeinschaft bildete, bei der (fast) alle mitanfassten.

Wir tauschten nochmal Geld zum Kurs von 2,57 Soles pro Dollar (3,3 zu €) und gingen danach in ein hervorragendes Restaurant essen. Danach noch ein wenig Mail und Blog schreiben und gegen Mitternacht nach ausschließlich kalter Dusche ins Bett. Da das Hostel sehr hellhörig war und ich die ganze Nacht kalte Füße hatte, schlief ich schlecht und bin heute sehr müde und von leichtem Kopfschmerz geplagt, was aber auch an der Höhe liegen kann.

Heute Morgen besichtigten wir in Arequipa den Hauptplatz und ein paar Kirchen, das interessanteste war aber das Kloster San Catalina, ein Nonnenkloster mit Komfort- die Nonnen hatten zum Teil eigene Häuser und bis zu fünf Angestellte.

Nach dem Mittag geht es jetzt in die Berge nach Chivay, wo wir innerhalb einer Stunde auf 4000 m hochfahren. Das ist natürlich eine unvorstellbare Höhe, die weißen Bergkuppen begleiten uns, ja schon 2 Tage.

Dort werden wir auf einer Höhe von 3500 m übernachten. Morgen geht es dann noch bis auf 4890 m, Ich bin gespannt, wie sich die Höhe bemerkbar machen wird und ob wir alle die Höhenkrankheit in den Griff kriegen werden.

Im Moment habe ich schon mal vorbeugend eine Tablette genommen und heute Morgen Coca Tee getrunken. Noch geht es ganz gut, nur in der Nase blubbert der Druckausgleich.

Die Natur ist leer und gewaltig in ihrer scheinbaren Unendlichkeit, den Blick in Täler und auf kahle 6000er Vulkane.

 

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In Colca werden wir morgen den 1200m tiefen Canyon und die Kondore sehen.

Jetzt sind wir auf 3500 m und haben gerade wieder ein Bild der Chiptütenserie aufgenommen.

In dieser Höhe beträgt die Temperatur noch 20°C – die Sonne knallt vom strahlend blauen Himmel herunter. Dieser Teil der Anden ist bis 3000 m tropisch und hat nur selten Frost. Über 3500m bis 4500m ist es kälter und es gibt noch Dörfer, die von der Viehzucht (Lama, Alpaka) existieren. Darüber ist es zu kalt, um Leben zu können.

 

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Kurz nach dem gestrigen Eintrag, ging es los… höllische Kopfschmerzen und die rasante Fahrweise des Busfahrers von 4800 m hinunter zum Hotel tat ihr übriges: Nichts ging mehr. Mehrfach musste ich brechen und ich konnte kaum noch was sehen.

Im Hotel trank ich nur noch 2 Tassen Coca-Tee und dann fiel ich völlig fertig ins Bett, wo ich aber auch wieder nur sehr flach und unstet schlafen konnte.

Das Hotel war ganz toll und liebevoller Service und das Frühstück auch richtig gut, leider habe ich gar keinen Appetit und deshalb habe ich nur minimal gefrühstückt.

Wir starteten heute bereits um 6:00 Uhr zum 'Kreuz der Kondore', da diese nur frühmorgens aufgrund der Thermik fliegen und damit zu beobachten sind.

Zurzeit fahren wir auf ca. 3500 m Höhe durch das Hochland, in dem die vielen Terassenfelder auffallen (an Nepal errinnernd), mit denen sich die die hier lebende Bevölkerung ernähren. Es gibt zahlreiche Dörfer mit ca. 1000-1500 Bewohnern.

 

Samstag, 27.10.2012

Wir hatten Glück und konnten die Condore sehen, sie flogen auch mehrmals direkt über uns hinweg, nur mit dem fotografieren wurde es nichts.

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Dann ging es zurück über den 4860 m hohen Pass und weiter nach Puno, welches auf runde 4000 m liegt- und mir ging es wieder schlechter, am Abend kam noch Fieber dazu und auch 5 Minuten Sauerstoff halfen nur kurz. Aufs Essen verzichtete ich und wollte nur noch schlafen.

Trotzdem raffte ich mich am Morgen auf, um die Bootsfahrt zu den Schilfinseln auf dem Titicacasee mit zu machen. Als erste Überraschung wurden wir alle mit Rikschas vom Hotel abgeholt und zum See gefahren. Von dort fuhren wir mit einem Boot zu den schwimmenden Schilfinseln, auf denen die Urus noch sehr einfach in Schilfhütten leben. Allerdings haben sie teilweise Solaranlagen für den Fernseher. Sie sind natürlich auch auf die Touristen eingerichtet und haben auf sehr niedliche Art und Weise den Bau ihrer Inseln erläutert, sowie Fotos mit ihrer Kleidung gestellt und kleinen bunten Tinnef verkauft.

 

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Später fuhren wir weiter zur Insel Taquile zum Mittagessen, da dies aber mit einer Wanderung verbunden war uns ich sowieso kaum geradeaus laufen konnte, verzichtete ich darauf und blieb mit einer anderen am kleinen Hafen und beobachtete die Enten J

Am Nachmittag besorgten die Männichs dann einen Arzt der mich mit Antibiotika und anderen Tabletten versorgte und 15 min Sauerstoff verordnetet. Ich ging denn um 18.00 Uhr ins Bett und schlief das erste Mal auch recht gut. So dass es mir heute Morgen schon viel besser ging.

Jetzt geht es weiter nach Cusco, das auf 3500 m Höhe liegt, also etwas niedriger. Ich hoffe, das dias reicht um die Höhenkrankheit zu überwinden.

 

Bis dahin fahren wir allerdings noch einmal über einen 4500 m hohen Pass, ich hoffe, ich überstehe das gut.

Cusco, Machu Picchu und erste Tage in Lima

on Montag, 12 November 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Wieder in Lima- wir bleiben noch

wieder ein Samstag, den 03.11.2012

Irgendwie hat sich die Zeit davongestohlen und ich kam nicht zum Schreiben. Mal ein paar Mails zwischendurch ging noch, aber die Muse für das Reisetagebuch fehlte mir und der Rückstau wurde auch immer länger.

Nun also chronologisch aus dem Gedächtnis die Ergänzungen.

Cusco ist die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches und es gibt heute noch viele Spuren aus dieser Zeit.

Wir hatten unser Quartier mitten in der Altstadt, in einer der engen Gassen. Auf halber Höhe einer steilen Treppe war der Eingang zu unserem wieder sehr netten Hotel.

Am Abend blieb nicht mehr viel Zeit, wir machten nur eine kurze Stippvisite zur abendlich beleuchteten Altstadt, dabei begegneten uns wunderlich angezogene Gestalten auf dem Weg zu einer Prozession.

Da es mir zwar besser ging, ich aber enormen Schlafnachholebedarf hatte, war der Tag danach für mich zuende.

Am nächsten Tag hatten wir wieder einen neuen einheimischen Führer, der uns morgens mit dem Bus abholte und mit uns das alte Cusco kleinräumig erkundete.

Zuerst fuhren wir zu einem Zeremonien – und Festplatz der Inka, an dem wir die Zickzack-Mauern mit den riesigen, fugenlos ineinander eingepassten Steinen bewunderten.Den fand ich von dem an diesem Tag gesehenem am Beeindruckensten.

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Nach weiteren Zwischenstationen besuchten wir das mitten in der Stadt liegende Kloster San Catalina, dessen alte Inka-Grundmauern erst bei einem Einsturz des Klosters 1950 zum Vorschein kamen und als einzige das Erdbeben heil überstanden. Sie wurden nicht wieder zugebaut und sind deshalb heute wieder ihn ihrer genialen Bauweise zu bewundern.

Nach einer sehr langatmigen Besichtigung der Kathedrale an der ortsüblichen Plaza hatten wir genug von alten Steinen und suchten uns an der Plaza einen Balkonplatz in einem Cafe und saßen da lange und genossen die Sicht auf die Dinge von oben herab.

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Am nächsten Tag stand dann die Fahrt nach Maccu Picchu auf dem Programm. Ich hatte eigentlich erwartet, dass wir am frühen Morgen aufbrechen werden, aber wir fuhren ganz gelassen erst 7.30 Uhr los. In Cusco hinauf in einen Außenbezirk zur Panoramabahn, die uns in 3,5h zum Machu Picchu bringen sollte. Beim Besteigen der lange vorgebuchten Bahn mussten wir den Pass vorzeigen. Die Plätze waren dann wirklich sehr luxuriös, sogar mit Tisch und Bordservice. Das Schönste aber war die Landschaft durch die der Zug fuhr, entlang des Flusses Urubamba links und rechts Berge und Gletscher nach Aguas Calientes zum Ausgangspunkt nach Machu Piccu.

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Dort angekommen wollte ich noch ein Foto von der Lok schießen, drehte mich um – weg waren alle. Schrecksekunde … irgendwie durch den Basar, rechtsrum… falsch…linksrum.. aufatmen ... Holger!

Mit einem Kleinbus ging es atemberaubende Serpentinen hinauf mit grandiosem Blick auf Vayna-Picchu (Junger Berg) und Machu Picchu (Alter Berg).

Die alte Inkastadt Machu Picchu liegt auf 2430 Meter inmitten tropischen Bergwaldes in einer traumhaften Berglandschaft. Ihre Überreste wurden 1911 von Hiram Bingham entdeckt und bis 1913 aus den Überwucherungen des Dschungels befreit.

Das Gefühl dort oben umherzustreifen und den Blick vom Torwärterhaus ains Tal und auf die umliegenden Berge kann ich nicht beschreiben … nur ein Wort … magisch!

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Als wir nach ca. 3 h wieder im Tal ankamen, hatte ich das Gefühl in einer fremden Welt zu sein.

In Aguas Calientes gab es noch ein gutes Mittagessen und dann fuhren wir glücklich und entspannt mit dem Zug zurück nach Cusco.

Unzweifelhaft war dies für mich der Höhepunkt der Rundreise.

Am nächsten Morgen flogen wir dann von Cusco zurück nach Lima. Das Flugzeug war deutlich bequemer als der Langstreckenflieger der TAM. In Lima checkten wir im gleichen Hotel wie bei der Ankunft ein. Die Mädchen wurden vom Bus abgeholt und ins Colegio Humboldt gefahren, wo sie am Nachmittag mit ihren Gastgeschwistern in ihr temporäres Zuhause fahren würden. Man sah ihnen an, dass ihnen nach den vielen Tagen in der Geborgenheit der Gruppe schon ein wenig bange war. Da wir zu früh dran waren, gingen wir als Gruppe zum Strand nach Larco Mar zum Mittagessen. Später lösten wir unser eingelagertes Gepäck ein und genossen das erste Mal ein paar Stunden Ruhe, die wir zur ausgiebigen Körperpflege, zum Gepäck sortieren, chillen… nutzten.

Abends stand dann ein besonderes Ereignis an – ein gemeinsames Abendessen in dem exklusiven Restaurant Rosa Nautica, auf einer Seebrücke gelegen, im Stil der Seebäderarchitektur des 19. Jahrhunderts. Der Festlichkeit halber und weil ich es nun einmal mitgeschleppt hatte warf ich mich in Schale und trug das kleine schwarze. Es wurde ein lustiger, guter Abend mit hervorragendem Essen.

Am nächsten Tag musste ich zeitig raus, denn wir wollten zu Schulbeginn um 7.30 Uhr in Humboldt II sein, erstens um nach den Mädels zu sehen und zweitens um wichtiges Organisatorisches abzusprechen und zu klären.

Wir fuhren für 8 Soles mit dem Taxi dahin.

Die meisten Lehrer begrüßten uns sehr herzlich, was natürlich auch daran lag, dass Holger ja hier bekannt ist. Hier ist es üblich, sich mit Küsschen zu begrüßen.

Wir rannten mehrfach zwischen Humboldt I und II hin und her, aber wir erreichten sehr viel. Zwei Mädchen hatten deutlich Heimweh und wir versuchten ihnen Mut zu machen und sie zu trösten.

Der Nachmittag verging mit ausführlichem weiblichem Einkaufsbummel, da meine Zimmer und Tischgenossinnen sich so langsam auf die Heimreise vorbereiten und noch Mitbringsel einkaufen wollten.

Es war schön, mit viel Zeit in holder Frauenrunde durch den Inca-Markt zu bummeln, die Händler sind hier in keiner Weise aufdringlich und das Angebot an hübschen, preiswerten Dingen groß.

Am nächsten Tag, dem letzten der Rundreise hatte sich ein Gruppenrudiment zu einem Extra- Ausflug ans Meer entschlossen. Um 9.30 Uhr holte uns ein Kleinbus ab, um uns nach Pucusana, einem kleinen nichttouristischen Fischerdorf 1,5 h von Lima entfernt zu fahren. Dort sind wir mit einem total klapprigen Kutter auf en Pazifik gefahren, der sich bei Ausfahrt aus der Buch als unerwartet stürmisch mit hohem Wellengang erwies und unser Bötchen ganz schön durchschüttelte. Dafür  konnten wir Pelikane in großer Zahl, Kolonien von kleinen Seevögeln, zahlreiche große,  fette Robben und anderes Getier beobachten. Mittag s haben wir leckeren Fisch auf peruanische Art in einem kleinen einheimischen Restaurant gegessen, welches direkt an einer Felsspalte lag, durch die sich das Meer ins Hinterland zu zwängen versuchte.

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Nach einer kurzen Stippvisite zum Strand fuhren wir dann zufrieden nach Lima zurück. Dort packten wir, duschten usw. und machen uns für den Umzug bzw. die Abreise am nächsten Tag fertig …

Nun die Rundreise ist beendet und jetzt beginnt der ganz andere Teil des Peru - Abenteuers. Gestern ist der Rest der Reisegruppe nach Hause gefahren und wir sind vom Hotel privat zu Helga gezogen, einer ehemaligen Lehrerin des Colegio Humboldt, die jetzt in Rente ist, wo wir die nächsten drei Wochen verbringen werden. Sie ist Deutsche lebt schon 40 Jahre hier, war mit einem Peruaner verheiratet und stammt aus Wörlitz und hat in Leipzig und Berlin studiert. Bei ihr ist es sehr anders als in Deutschland, sie führt ein offenes gastfreundliches Haus und ist eine sehr interessante, liebe Frau. Einen Teil ihres verwinkelten Häuschens vermietet sie. Ich habe hier ein Kämmerchen mit dem Fenster hinunter zu ihrem Wohnzimmer. Oben auf der Terrasse haben wir Gäste gemeinsam eine Küche und einen Raum mit Waschmaschine und Trockner und das Bad teile ich mir mit zwei Männern - mit Holger und mit Stefan einem Lehrer des Colegio Humboldt, der hier auch ein Kämmerchen bewohnt.

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Gestern Nachmittag haben Holger und ich einen kleinen Stadtbummel gemacht, eine Galerie und das Elektrizitätsmuseum besucht (Lima hat seit 1560 eine öffentliche Stadtbeleuchtung!) und waren an der Strandpromenade.

Im Moment ist es nicht sehr warm hier… ich denke so 16-18°C und den Himmel über Lima habe ich noch nie anders als grau erlebt. (Es soll hier nicht immer grau sein).

Dafür ist die Luftfeuchte so hoch, dass nichts so richtig trocken wird und meine Haare Locken schlagen. Komischerweise bekommt mir das Klima recht gut.

In der Schule waren wir und die Mädels auch schon einen Tag, so richtig los, geht es dann am Montag- gestern war ein Feiertag und jetzt ist ja auch hier WE.

Wir werden fast jeden Tag in der Schule sein, ich will auch mal in den Unterricht mitgehen, wenn die Lehrer es mögen.

Ansonsten treffen wir hier die Mädchen und schauen, ob sie Hilfe brauchen, in den Stunden, wo sie spanischen Unterricht haben, wollen wir Mathe und Physik mit ihnen machen. Ab Dienstag dann gehen die Mädels für jeweils 2 Tage in 3 Gruppen in die San Christoferus-Schule, einer Schule für behinderte Menschen, die vom Waldorfverein Deutschland getragen wird und in dieser Form eine Ausnahme hier ist, um dort an ihrem Projekt zu arbeiten und sich mit den Kindern zu beschäftigen.

Behinderten-Schule in Chorillos

on Montag, 12 November 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Supergute Tage

Dienstag, 06.11.2012

Am Sonntagvormittag hatten Holger und ich eine Menge vorzubereiten, abends dann waren meinen beiden WG Bewohner mit mir in Miraflores in einem Restaurant, hervorragend essen und einen Pisco Sour trinken.

Gestern, am Montag, waren wir in der Schule. Wir waren bereits 7.15 Uhr dort, weil wir die Mädels begrüßen wollten. Dann hatten wir noch bis mittags Organisatorisches zu erledigen, es fand sich aber auch Zeit für ein paar nette Gespräche.

Heute waren wir das erste Mal in der Behindertenschule und sowohl wir, als auch die Mädels hat dieser Tag sehr beeindruckt.

In der Schule werden ca. 30 Kinder von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr betreut, Schwerstbehinderte, die nicht reden können sich aber bei Zuwendung dankbar freuen und den ganzen Tag ansteckend lachen sowie recht pfiffige leichtere Fälle, denen man auf den ersten Blick ihre Schädigung gar nicht anmerkt und das durch alle Altersklassen hindurch von 5 – 40 Jahre. Der Tag beginnt und endet mit einem gemeinsamen Kreis aller Schüler, Volontäre und Lehrer. Es kümmern sich erstaunlich viele Menschen um die Schüler, jeweils ein Lehrer und 1-2 Volontäre im Freiwilligendienst pro Gruppe. Es gibt vier Gruppen. Unter den Schülern sind sowohl solche aus zahlungskräftigen Familien, als auch solche von völlig mittellosen, die dadurch eine für Peru einmalige Chance auf Förderung haben.

Auf den ersten Blick wirkt die Anlage grau und ungeordnet, aber wenn man länger dort ist, merkt man wie viel liebevolle Zuwendung den Kindern zu Teil wird und das diese Schule für peruanische Verhältnisse sehr gut geführt ist. Aber etepetete und zart besaitet darf man nicht sein … es ist nicht das sterile Deutschland. Für die Schüler gibt es ein Außengelände mit fantasievoll gestalteten Skulpturen zum Sitzen und Balancieren und Höhlen zum Verkriechen. Im eigenen Garten angebautes Obst, Gemüse und Kräuter werden in der Küche verarbeitet.

Wir durften mit den Behinderten basteln, Fußballspielen, wir haben alle gemeinsam gegessen und wenn notwendig mit geholfen, bei der Probe zum Krippenspiel zugesehen … in ganz kurzer Zeit gehörten wir dazu und fühlten uns als dazugehörig. Die Schüler schlossen uns in ihr Herz und wir sie. Glücklich und mit dem Gefühl zweier „superguter Tage“ fuhren wir nach Hause.

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Schulzeugs und Wochenende in Lima

on Montag, 12 November 2012. Posted in 5 Wochen Peru

Kultur, Kirche und gutes Essen

Sonntag, 11.11.2012

Die Tage vergehen immer recht schnell und ich finde kaum eine Lücke, um in Ruhe Tagebuch zu schreiben.

Am Donnerstagvormittag war ich in der Schule und bereitete mich auf den Matheunterricht der 10er-Mädchen vor, was gar nicht so einfach war, da ich weder ein anständiges Buch noch genaue Kenntnis über deren Vorwissen zu Exponential – und Logarithmusfunktionen hatte. Ich glaube aber, nach einigen Startschwierigkeiten, habe ich ihre mathematisch eingerosteten Gehirne wieder in Gang gekriegt.

Nach der Schule bin ich dann das erste Mal allein in Lima unterwegs gewesen, da Holger ja mit der zweiten Mädchengruppe in Chorillos war- und ich war stolz auf mich, das ich trotz des sehr verwinkelten Weges durch gleich aussehende Wohngebiete den Weg zu Helga Haus auf Anhieb fand.

Am Freitag hatte ich ‚frei‘. Holger war in Chorillos und Unterricht war an diesem Tag nicht angesetzt. Und was macht man so in Lima an seinem freien Tag?! Man stellt endlich die Bilder in den Schulblog, füllt den Förderantrag für PAD für den Gegenbesuch der Peruaner bei uns auch, antwortet endlich auf Mails…

Zum Glück stöberte mich gegen Mittag Helga in meinem Kämmerchen auf und lud mich zum Mittagessen ein. Wir hielten einen langen Schwatz miteinander, der sich bis zum Kaffeetrinken hinzog. Am Abend dann fuhren wir mit dem Taxi ( für 12 Soles) fast eine Stunde durch die Rushhour ins Colegio San Ursula, einer von Nonnen geführten Schule, in der auch auf Deutsch unterrichtet wird. Aber das war nicht der Grund unseres Besuchs, sondern ein (kostenloses!) Konzert des Madrigalchors von Lima und des limenischen Sinfonieorchesters.

Zu Beginn des Konzerts hielt der deutsche Botschafter eine Rede in fürchterlichem Spanisch, was sogar ich merkte, obwohl ich ja nur wenige Brocken spanisch kann. Irgendwie verstand ich wenigstens, dass das Konzert auch im Gedenken an die Reichskristallnacht stattfand. Danach spielten sie die „Misa a Santa Cecilia“ von Charles Gounod, eine wunderschöne Musik, gut gespielt. Jedenfalls konnte ich mich gut fallen lassen und die wuchtigen Stellen erzeugten Resonanzen in meinem Körper.

Wieder ‚zuhause‘ zogen wir uns bei einem Glas Wein noch einen Tatort mit dem Duo Liefers /Prahl rein und gingen dann kurz vor 1.00 Uhr ins Bett- da stehen die in Deutschland gebliebenen schon wieder auf.

Gestern am Samstag waren wir nochmal in Ruhe shoppen, zuerst bin ich mit Holger auf einen Markt in der Nähe der Schule, dort gab es alles, was es sonst auf der Welt überall auch gibt - falsche und echte Markenware. Ich habe ihn geduldig beim Kauf mehrerer T-Shirt beraten, bat ihn dann aber mit mir auf einen einheimischen Markt zu gehen, was soll ich mit solchem Zeugs?  Dort habe für meine liebe fünf Wochen blumengießende Nachbarin eine Tasche und für meine Mutti  ganz weiche und auch teure Baby-Alpaka-Wolle gekauft, die hat sie sich gewünscht… für Socken… ich denke sie ist zu schade dazu und wird wohl was anderes werden.

Am Abend waren wir bei einem Kollegen vom Colegio eingeladen … ein sehr kluger und interessanter Mensch, Deutscher, Jude mit weltweitem Lebenslauf, der Bücher (in Spanisch und Englisch) über theoretische Physik schreibt, die Geschichte Perus studiert , 5 oder 6 Sprachen fließend spricht und unterrichtet und trotzdem noch mit Leib und Seele Lehrer ist und private Nachhilfe für besonders begabte Schüler gibt. Ich wundere mich immer, wie man das alles unter einen Hut kriegt. Nach dem unterhaltsamen Abend mit gutem Essen und Wein fuhr er uns dann in seinem 30 Jahre alten Mercedes ( mit wieder 95% Originalteilen, wie er stolz verkündete) nach Mitternacht zurück.

Heute am Sonntag haben wir‘s ruhig angegangen, ausgiebig gegen 10.00 Uhr gefrühstückt. Gegen Mittag schleppte uns dann Stefan unser WG- Mitbewohner in einen einheimischen Mercado zum Ceviche essen. Chevice ist in Limette fermentierter Fisch mit Zwiebel und Kardamom und dazu Süßkartoffel. Ähnliches habe ich schon auf Fidschi sehr gern gegessen. So saßen wir denn inmitten des Trubels des Marktes an einem 2 Quadratmeter Stand, in dem sich 5 Köche drängelten unter den Peruanern auf Hockern und aßen für 8 Soles Chevice. Geschmeckt hat es sehr gut und das Flair war toll. Wenn ich da jetzt noch ohne Darmprobleme durchkomme ist es perfekt. Vorsichtshalber versammelte sich die WG dann zum Kaffee in der Gemeinschaftsküche und tranken einen Pisco, der evtl. durchgerutschten Keimchen den Garaus machen soll.

Direkt vor unserem Haus zog am Nachmittag eine der hier häufigen Prozessionszüge vorbei. Es war die Verehrung einer Christusstatue, die als einzige aufrecht stehend ein großes Erdbeben überstanden hatte und seitdem als Schutzheiliger gegen Erdbeben verehrt und einmal im Jahr durch die Straßen getragen wird. Wir sahen dem Spektakel eine Weile zu.

 

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Danach verschwand jeder in sein Kämmerchen, ich schrieb wieder mal Mails, bastelte an der Schulhomepage rum und nahm mir Zeit für mein Tagebuch, welches hiermit wieder auf aktuellem Stand ist. Nur zum Einarbeiten der Bilder in den Blog bin ich noch nicht gekommen. Aber mit peruanischer Gelassenheit verschiebe ich das jetzt auf die nächsten Tage, weil ich jetzt (19.30 Uhr) erst mal zum Essen kochen in die Gemeinschaftsküche verschwinde - es gibt Kartoffelbrei und Chorizzos.